Beispiele 2017-12-11T11:29:16+00:00

Beispiel 1

Beruflich voll durchstarten vs. wieder schwanger – und nun?

Ich bin Mama eines einjährigen Sohnes und frisch verheiratet. Mein Plan war, nach einem Jahr Elternzeit wieder voll arbeiten zu gehen, weil ich dies sehr gern wollte, aber aus finanziellen Gründen auch musste. Als meine Tage ausblieben, habe ich mir zunächst nicht viel dabei gedacht. Man sagt ja, es brauche ein Jahr, bis sich die Hormone wieder umgestellt haben, sodass ich dachte, dies sei nur wieder mein alter unregelmäßiger Zyklus. Nach einiger Zeit wurde ich dann aber doch unruhig und sprach mit meinem Mann, der mir einen Test mitbrachte. Ohne Zweifel – ich war tatsächlich wieder schwanger. Mein Mann fand die Idee, ein zweites Kind zu bekommen, super – für ihn würde sich ja auch nichts ändern. Doch für mich brach eine Welt zusammen:

A) wollte ich gar nicht unbedingt ein zweites Kind,

B) sind wir recht knapp bei Kasse, und ich sah schon eine Vielfalt an Problemen auf mich zurollen,

C) hatte ich mir jahrelang so vieles aufgebaut, um in meinem Traumjob durchstarten zu können, und das ging vor meinem inneren Auge alles den Bach runter,

D) lief es in meiner Beziehung auch nicht rund.

Kurzum: Alles Sch….

Ich weinte hysterisch, und mein Mann war mir dabei keine Hilfe – auch heute ist er das noch nicht. Er ist ein feiner Mensch, doch nehme ich ihn als ein wenig überfordert mit dem Leben wahr (vom Gefühl her verhält er sich also manchmal schon wie ein zweites Kind).

Sofort dachte ich an einen Abbruch der Schwangerschaft und befragte Google, sodass ich auf der Seite von abtreibung.de landete. Mit Silvia fand ich jemanden, dem ich mich anvertrauen und mein Leid klagen konnte. Sie versuchte, meine Gedanken vom Abbruch wegzulenken und mich auf Alternativen zu stoßen, was nicht unbemerkt blieb. Ich dachte: „ Ja ja, du kannst leicht reden!“

Zurück ins Berufsleben – und jetzt wieder schwanger – was tun?

Eine Woche nach dem Test hatte ich einen Termin beim Frauenarzt, zu dem mich mein Mann begleitete. Es war genau am 1. Geburtstag unseres Sohnes. Ich war so überhaupt nicht in Stimmung. Die Ärztin bestätigte die Schwangerschaft, und bei mir brachen alle Dämme. Ich hatte vorher erwähnt, dass ein Abbruch in Frage kommt und war dankbar, dass sie sehr liebevoll mit dem Thema umging. Sie gab mir eine Woche Bedenkzeit. 

Diese Woche brauchte ich auch! Nicht, weil die Entscheidung nicht schon längst gefallen war, sondern weil ich die Zeit brauchte, um mir selbst Mut für meine Entscheidung zu machen…

Denn in dem Moment, als ich den Herzschlag des Babys sah, konnte ich nicht mehr anders. Ich bin ein recht sachlicher Mensch, aber die Verantwortung dafür zu übernehmen, diesen sichtbaren Herzschlag beenden zu lassen, war außerhalb meiner emotionalen Möglichkeiten. Ich könnte jetzt schon wieder weinen, wenn ich daran denke. 

Gesagt, getan! Die Entscheidung für das Kind war getroffen. Doch wie würde es jetzt weitergehen? Dank Silvia hatte ich eine Idee, wo ich mir Hilfe suchen konnte und nahm entsprechende Beratungsgespräche in Anspruch. Das gab mir viel Sicherheit.

Jetzt bin ich in der 15. Woche und kann realistisch einschätzen, was auf mich zukommt. Ich werde es nehmen, wie es kommt. Wie heißt es so schön – man wächst mit seinen Aufgaben.

Ob ich die Beziehung zu meinem Mann aufrechterhalten kann, weiß ich noch nicht genau, aber ich weiß, dass ich es schaffen kann. Wie? Keine Ahnung – ich boxe mich einfach durch. Wird es holprig? Ich befürchte ja. Ist es das wert? Auf jeden Fall. Das Schicksal hält so einiges für uns parat, wir entscheiden nur, wie wir damit umgehen wollen. 

Claudia im Dezember 2017

Beispiel 2

Beispiel 3

Bilderbuchfamilie mit Traummann vs. Ungewollte Schwangerschaft

Lisa war nie der Typ, der mal unbedingt Kinder haben wollte. Zudem erhielt sie mit 18 die Auskunft von ihrem Arzt, dass es für sie schwierig sein würde, überhaupt mal ein Kind zu bekommen.

Doch nun wurde sie wider Erwarten schwanger. Ihre Beziehung bestand zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate, war aber schon von Misstrauen und sehr großen Zweifeln geprägt.

„Wenn sie mit ihrem Traummann zusammen wäre und alles drum herum stimmen würde, könnte sie sich ein Kind vorstellen. Aber so am Ende noch als alleinerziehende Mutter, undenkbar.“

Ihre Eltern würden zwar immer zu ihr stehen. Sie fühlt sich aber miserabel, so als wäre sie für alle und jeden eine riesige Last.

Sie wünscht sich insgeheim eine Fehlgeburt oder dass ihr Frauenarzt sagt, mit dem Kind stimmt was nicht, es muss weg. Ihre Verzweifelung ist so unfassbar groß.

Natürlich hat sie auch Angst davor, wenn sie später doch mal ein Kind bekommen möchte, dass es dann nicht mehr klappt.

Scheinbar sprach alles für eine Abtreibung – oder doch nicht?

Ich habe Lisa ermutigt. „Es ist doch wunderbar, Eltern zu haben, die immer für einen da sind. Das tun Eltern gern.“ Auch wenn die Vorstellung eine alleinerzeihende Mama zu sein, nicht ihr Wunsch war, kann es in so einer schwierigen Beziehung auch gut sein, vorerst mit dem Kind allein zu leben. Auf Grund ihrer Bedenken zu Folgen einer Abtreibung, erklärte ich ihr diese und verwies auf ihren Arzt, der es medizinisch nochmals ausführlich erklären kann, da sie Angst vor späterer Unfruchtbarkeit hatte. Zusätzlich bot ich ihr an, eine Beratung vor Ort für sie zu suchen.

Dann hörte ich länger nichts von ihr und befürchtete, dass sie zur Abtreibung gegangen ist.

Plötzlich wieder eine Mail von Lisa. Sie schrieb mir, dass sie sich für ihr Baby entschieden hat, obwohl der Vater des Kindes, von dem sie sich inzwischen getrennt hat, immer noch für eine Abtreibung ist. Jetzt spürte sie eine wahnsinnige Kraft in sich, die alles tat um ihr Baby zu verteidigen und zu beschützen. Sie hat ihm gesagt, dass sie den Weg allein gehen wird und keine Erwartungen an ihn hat.

Inzwischen freut sie sich sehr auf die Geburt ihres Babys.

Zwar stand fest, dass sie ihre Selbstständigkeit aufgeben muss, wodurch sie erstmal kein Einkommen haben würde. Aber der Gedanke macht ihr keine Angst mehr. Ihr Baby ist es ihr wert.

Mehr als 2 Jahre nach unserem Mailaustausch (2015) meldet sich Lisa wieder. Sie wollte einfach noch einmal danke sagen, dass ich ihre Worte las und so geholfen haben ihre Gedanken zu sortieren. Sie bereut es so sehr diese Gedanken an Abtreibung gehabt zu haben. Es macht sie unendlich traurig.

Ihr Sohn ist das Beste, was ihr in ihrem Leben passiert ist. Sie wird 3 Jahre zu Hause bleiben und jede Minute mit ihm auskosten.

Sogar der Vater ist inzwischen stolz auf seinen, kleinen Paul und kümmert sich gut.

Lisa sagt „Ich möchte meine Geschichte gern mit Frauen teilen und sie ermutigen. Mit der Kraft der Liebe kann man weit über sich hinaus wachsen.“

September 2017